RATGEBER
Website-Relaunch: Wie behalten Sie Ihre Google-Rankings?
Ben Schmidt, Inhaber von Flowrenix · Aktualisiert:
Kurzantwort
Rankings gehen bei einem Relaunch vor allem verloren, wenn alte Adressen ins Leere laufen, gut gefundene Inhalte wegfallen oder Titles und Descriptions ersatzlos verschwinden. Wer vorher alle alten Adressen mit ihren Besuchern erfasst, jede davon dauerhaft auf die passende neue Seite weiterleitet und vorher wie nachher in der Google Search Console misst, vermeidet die häufigsten Fehler.
Warum Rankings bei einem Relaunch verloren gehen
Google bewertet nicht Ihre Website als Ganzes, sondern einzelne Adressen. Eine Seite, die heute für «Coiffeur Wetzikon» gefunden wird, hat sich diesen Platz unter ihrer Adresse erarbeitet. Bekommt sie beim Relaunch eine neue Adresse und führt die alte ins Leere, beginnt die neue Seite fast von vorn. Dazu kommen Links von anderen Websites und Lesezeichen, die weiterhin auf die alte Adresse zeigen.
Die zweite Ursache sind Inhalte. Wer beim Relaunch Texte kürzt oder Unterseiten zusammenlegt, nimmt Google oft genau das weg, wofür die Seite gefunden wurde. Die dritte ist technisch: Eine Testumgebung, die für Suchmaschinen gesperrt war und beim Start gesperrt bleibt, oder eine neue Website, deren Inhalt erst per JavaScript erscheint.
Schritt 1: Bestandsaufnahme vor dem Relaunch
Bevor etwas Neues entsteht, halten Sie fest, was heute da ist und was davon Besucher bringt.
- Alle Adressen der alten Website sammeln: aus der Sitemap, einem Crawl der Website und dem Bericht «Seiten» in der Google Search Console.
- Für jede Adresse die Klicks und Impressionen aus dem Leistungsbericht der Search Console notieren und die Daten exportieren; die Search Console zeigt nur die letzten 16 Monate.
- Title, Description und Hauptüberschrift jeder wichtigen Seite sichern.
- Eine Kopie der Inhalte aufbewahren, damit nach dem Start nichts verloren ist.
- Festhalten, wie viele Anfragen oder Buchungen heute über die Website kommen.
Schritt 2: Weiterleitungen planen
Aus der Bestandsaufnahme entsteht eine Liste: alte Adresse links, neue Adresse rechts. Jede alte Adresse, die Besucher hat oder von aussen verlinkt ist, wird dauerhaft auf die inhaltlich passende neue Seite weitergeleitet. Am zuverlässigsten ist eine Weiterleitung, die der Server mit dem Statuscode 301 oder 308 ausliefert. Fragen Sie vor einem Wechsel des Hostings, wie der neue Anbieter solche Weiterleitungen einrichten lässt.
Leiten Sie nicht alles pauschal auf die Startseite. Google behandelt solche Weiterleitungen oft wie eine nicht mehr vorhandene Seite. Vermeiden Sie Ketten, bei denen eine Weiterleitung auf die nächste zeigt, und lassen Sie die Weiterleitungen lange bestehen, mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Ändert sich auch die Domain, melden Sie den Umzug zusätzlich mit der Funktion zur Adressänderung in der Search Console.
Schritt 3: Inhalte und Titles erhalten
Seiten, die heute gefunden werden, behalten ihren Inhalt. Verbessern dürfen Sie ihn, streichen sollten Sie ihn nicht ohne Grund. Übernehmen Sie Titles und Descriptions, oder ersetzen Sie sie bewusst durch bessere, die denselben Suchbegriff abdecken. Dasselbe gilt für Hauptüberschriften, Bildbeschreibungen und strukturierte Daten.
Achten Sie auch auf die interne Verlinkung. Seiten, auf die vorher viele Links zeigten, sollten auch in der neuen Struktur gut erreichbar sein. Hat die Website mehrere Sprachen, müssen die Sprachfassungen wieder korrekt aufeinander verweisen.
Schritt 4: Technik vor dem Start prüfen
Kurz vor dem Start gehe ich eine feste Liste durch. Die meisten Fehler sind banal und lassen sich in wenigen Minuten beheben, wenn man sie vorher findet.
- Die Sperre der Testumgebung für Suchmaschinen ist entfernt, und die robots.txt blockiert keine wichtigen Seiten.
- Jede Seite verweist mit ihrer kanonischen Adresse auf sich selbst, nicht auf die Testumgebung oder die alte Website.
- Die neue XML-Sitemap enthält nur die neuen Adressen und ist in der Search Console eingereicht.
- Die Website ist nur unter einer Adresse erreichbar, mit HTTPS, und die andere Schreibweise leitet weiter.
- Der Kerntext jeder Seite steht im ausgelieferten Dokument und ist auch ohne JavaScript lesbar.
- Alle alten Adressen aus der Liste werden automatisch geprüft: Jede muss weiterleiten und auf einer Seite mit Inhalt enden.
Schritt 5: Messen, vorher und nachher
Ohne Ausgangswert lässt sich nach dem Start nicht sagen, ob der Relaunch geschadet oder genützt hat. Halten Sie deshalb vorher fest: Klicks, Impressionen und durchschnittliche Position je wichtiger Seite, die wichtigsten Suchbegriffe, die Zahl der indexierten Seiten und die Anfragen über die Website.
Nach dem Start schaue ich in den ersten Wochen regelmässig in die Search Console: Tauchen Adressen auf, die nicht gefunden werden? Werden die neuen Seiten indexiert? Schwankungen in den ersten Wochen sind bei einem Umzug üblich. Aussagekräftig ist der Vergleich gleich langer Zeiträume vorher und nachher, Seite für Seite.
Wie ich einen Relaunch begleite
Löse ich eine bestehende Website ab, gehören Bestandsaufnahme, Weiterleitungsliste und Prüfung vor dem Start zum Projekt. Vorab kläre ich, wie das gewählte Hosting die Weiterleitungen technisch umsetzt, und sage Ihnen offen, wo es dabei Grenzen gibt. Die Search Console läuft auf Ihren Namen, und nach dem Start werten wir gemeinsam aus, was sich verändert hat. Mehr dazu steht auf der Seite Sichtbarkeit.
Wie viel Aufwand die Übernahme bedeutet, hängt vor allem an der Zahl der alten Adressen und daran, wie viele Inhalte überarbeitet werden. Das steht vor dem Start im Kostendach.
HÄUFIGE FRAGEN
Häufige Fragen
Nicht zwingend, aber garantieren kann das niemand seriös. Wer alte Adressen sauber weiterleitet, gut gefundene Inhalte erhält und vor dem Start die Technik prüft, vermeidet die häufigsten Ursachen für Verluste. Schwankungen in den ersten Wochen nach dem Umzug sind üblich.
Nein. Jede alte Adresse sollte auf die inhaltlich passende neue Seite zeigen. Pauschale Weiterleitungen auf die Startseite behandelt Google oft wie eine nicht mehr vorhandene Seite, und der Besucher findet nicht, was er gesucht hat.
Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Links von anderen Websites und Lesezeichen zeigen oft noch Jahre später auf die alten Adressen.
Vor dem Relaunch die Leistungsdaten exportieren, nach dem Start die neue Sitemap einreichen und die Berichte zu Seiten und Indexierung beobachten. Ändert sich auch die Domain, melden Sie den Umzug zusätzlich über die Funktion zur Adressänderung.
Wie viel die Übernahme der alten Adressen und Inhalte ausmacht, hängt am Umfang der alten Website. Vor Beginn erhalten Sie ein schriftliches Kostendach.
